Paul Rüegg/ Juni 8, 2020/ Allgemein

Ja, immer wieder wird die Frage gestellt, was brauche ich für den Anfang für Werkzeuge. Bevor ich jetzt aushole, im Drechslermagazin vom Juli 2019 hat sich jemand die Mühe gemacht und das mal sauber aufgelistet. Den Inhalt des Artikels unterstütze ich. Dazu kann ich nur ergänzen, dass es kaum einen Sinn macht, vor nicht die Grundwerkzeuge beherrscht werden, sich teure Systemwerkzeuge zu kaufen. Ich lebe teilweise auch vom Verkauf von Werkzeugen. Doch es macht absolut keinen Spass, ein teures Werkzeug zu verkaufen, wenn man nicht überzeugt ist, dass der Käufer damit auch umzugehen weiss. Darum nehme ich auch jedes Werkzeug zurück, wenn Kunden nachträglich feststellen, dass sie das falsche ausgewählt haben.

Hier der Artikel aus dem Drechslermagazin:

Die 7 wichtigsten Drechselwerkzeuge für Einsteiger

Die 7 wichtigsten Drechselwerkzeuge für Einsteiger

Die 7 wichtigsten Drechselwerkzeuge für Einsteiger

In diesem Artikel möchten wir Ihnen die 7 wichtigsten Werkzeuge vorstellen, die zum Einstieg in die Bearbeitung des rotierenden Holzes benötigt werden. Denn das Angebot an Drechselwerkzeugen ist beinahe unüberschaubar und es gibt sie in unterschiedlichster Form und Ausführung. Nicht nur Drechseleinsteigern fällt hier die Entscheidung schwer, mit welchen Werkzeugen man tatsächlich auskommt oder welche eventuell sogar unnötig sind.

Je nach den zu erstellenden Projekten wird sich der Drechsler nach und nach ein auf seine individuellen Ansprüche abgestimmtes Sortiment von Werkzeugen zulegen, nämlich abhängig davon, ob z. B. hauptsächlich Schalen, Schreibgeräte oder vielleicht auch überdimensional große Hohlgefäße an der Drechselbank entstehen sollen. Mit den nachfolgend vorgestellten Drechselwerkzeugen kann man jedoch bereits die meisten Drechselarbeiten umsetzen. Diese Werkzeuge gehören zur allgemeinen Grundausstattung, wie sie auch für jeden Einsteiger zu empfehlen ist:

  • eine breite Schruppröhre (30−36 mm)
  • eine Formröhre (19 mm)
  • eine Spindelformröhre (10−13 mm)
  • ein Rechteckmeißel (20 mm)
  • ein breiter Ovalmeißel (30−36 mm)
  • ein Abstechstahl (2−6 mm)
  • eine Schalenröhre (13−16 mm)

Jedes Drechselwerkzeug hat seine Stärken und Einsatzbereiche, die es zu kennen gilt. Wir stellen Ihnen nun Röhren, Meißel und Abstechstahl im Detail vor!

Die Schruppröhre

Die Schruppröhre wird ausschließlich im Bereich der Längsholztechnik eingesetzt. Mit einer Breite zwischen 25 und bis zu 40 Millimetern sollte sie möglichst schwer und stabil sein. Sie ist das erste Werkzeug am drehenden Holz und schneidet den unrunden Rohling in eine zylindrische Form. Mit der Schruppröhre können aber auch Formverläufe grob vorbereitet und Flächen geschlichtet werden. Die Oberfläche wird bei perfekter Anlage aufgrund der breiten Schneide der Fase sehr sauber. Die flach geschmiedeten Schruppröhren mit einer Materialdicke von 5 bis 7 Millimetern sind unter den Bezeichnungen „deutsche Form“ oder „Contiform“ bekannt. Die englische Form der Schruppröhre zeigt eine wesentlich tiefere U-Form, mit meist deutlich weniger Materialdicke und geradem Anschliff.

Einsatzbereiche:     

  • ausschließlich für Längsholz
  • Runddrehen von Kanteln/Rohlingen
  • Formverläufe und große Profile
Deutsche Form mit Materialdicke von 5 bis 7 mm.
Englische Form mit tiefer U-Form und geradem Anschliff.

Die Formröhre

Die Formröhre ist das Universal-Werkzeug und kann in beinahe allen Bereichen des Drechselns eingesetzt werden. Das flach geschmiedete Werkzeug gibt es in nahezu allen Breiten und verschiedensten Anschliffformen. In einem Standard-Werkzeugsortiment ist eine Formröhre mit einer Stahlbreite von +/- 20 Millimetern ideal. Mit ihr wird ein Großteil der Profile gedreht. Und wenn die große Schruppröhre zu unhandlich ist, können mit der Formröhre auch kleinere Längsholzkanteln vorgeschruppt werden. Je nach Einsatzgebiet und persönlicher Vorliebe ist die Schneide der Röhre bei der Bearbeitung von Längsholz nur mit einer leichten Rundung ausgeführt. Hat sich der Drechsler allerdings eher auf Querholzarbeiten spezialisiert, sind die seitlichen Flanken der Schneide meist weit nach hinten gezogen. Diese Schneidenform wird dann als Fingernagelanschliff bezeichnet. Die Gefahr des Einhakens wird dadurch speziell im Querholzbereich deutlich reduziert.

Einsatzbereiche:     

  • Längs- und Querholz
  • Runddrehen von Kanteln/Rohlingen
  • Formgebung und Profilierung
Formröhre: Anschliff für Längsholz
Formröhre: Fingernagelanschliff für Querholz

Die Spindelformröhre

Die Spindelformröhre ist eine Variante der Formröhre und wird überwiegend für Detailarbeiten verwendet. Dieses Werkzeug wird aus einem Rundstahl hergestellt und mit einer flachen Ausfräsung versehen. Damit zeichnet sich diese Röhre trotz des verhältnismäßig geringen Durchmessers von 10 bzw. 13 Millimetern durch eine hohe Stabilität aus. Tiefe Kehlen sowie auch feinste Profilierungen in Längs- und Querholz sind damit leicht zu drechseln. Die Spindelformröhre wird in aller Regel mit einem Anschliff mit weit zurückgeschliffenen Seiten (Fingernagelanschliff) verwendet.

Einsatzbereiche:

  • Längs- und Querholz
  • Formgebung und Profilierung
  • feinste Detailarbeiten
Spindelformröhre mit weit zurückgeschliffenen Seiten (Fingernagelanschliff)

Die Schalenröhre

Die Schalenröhre ist streng genommen eine Weiterentwicklung der klassischen Formröhre für den spezialisierten Einsatzbereich in Querholz. Durch den runden Querschnitt des Stahls und die tiefe Ausfräsung in parabolischer Form lässt sich das Werkzeug beim Ansetzen ans Holz und in der Tiefe deutlich sicherer führen. Ganz im Gegenteil zur Formröhre, verzeiht sie bis zu einem gewissen Grad sogar manchen Fehler. Auch dieses Werkzeug wird je nach Vorliebe des Drechslers mit verschiedenen Anschliffformen verwendet. Mit seitlich weit nach hinten geschliffener Schneidenfase wird dieses Werkzeug zum Universalgenie und beinahe alle Bereiche einer Schale können damit gedrechselt werden. Angefangen vom groben Vorschruppen des Rohlings bis hin zum Schlichten bzw. finalen Schnitt der fertigen Form. Aufgrund der Vorzüge bearbeiten mittlerweile viele Drechsler im Längsholzbereich grünes bzw. frisches Holz ebenfalls mit der Schalenröhre. Dabei ist ein sehr effektiver Materialabtrag möglich und meterlange Späne fliegen durch die Luft.

Einsatzbereiche:       

  • Querholz, teilweise auch Längsholz (nass)
  • Runddrehen von Rohlingen
  • Drehen der Außen- und Innenform, Schlichten
Die Schalenröhre: Weiterentwicklung der klassischen Formröhre für den spezialisierten Einsatzbereich in Querholz.

Der Meißel

Der Rechteck- oder auch Flachmeißel ist eines der ältesten Drechselwerkzeuge und gehört nach wie vor zum Standard in der Drechslerei. Da ein sicherer Umgang mit dem Meißel viel Übung voraussetzt, ist er gerade bei Amateurdrechslern nicht immer das Werkzeug der ersten Wahl. Seit einigen Jahren sind jedoch auch die sogenannten Ovalmeißel weit verbreitet, die die Anlage am Werkstück vereinfachen sollen. Gerade bei Werkzeugbreiten von über 25 Millimetern bietet diese Formgebung einen Vorteil. Schmalere Ausführungen sind jedoch durch den reduzierten Querschnitt deutlich geschwächt und flattern schnell. Meißel sind fast ausschließlich für das Drechseln von Längsholz einzusetzen und erzeugen spiegelnde Oberflächen beim Schlichten von Formen. Geübte Drechsler sind in der Lage, mit dem Meißel komplexe Formverläufe zu drehen, die nicht mehr oder nur sehr wenig geschliffen werden müssen. Nur sehr wenige aber dennoch erwähnenswerte Einsatzbereiche bieten Flachmeißel im Querholz. Durch die rechteckige Form kann der Stahl flach auf die Handauflage gelegt werden und als schabendes Werkzeug Verwendung finden. Mit scharfer Schneide können so z. B. plane Bodenflächen behutsam geschlichtet oder auch mit der Spitze Kerben eingestochen werden. Große Gefahr besteht jedoch, wenn Meißel in Schnittposition am Querholz angelegt werden!

Einsatzbereiche:

  • Längsholz (nur wenige Ausnahmen auch Querholz)
  • Formgebung, Profilieren und Schlichten
  • feinste Detailarbeiten
Ovalmeißel breit
Rechteck- oder Flachmeißel schmal

Der Abstechstahl

Zu der Familie der Abstechstähle zählen wir verschiedenste Varianten von meist nur wenigen Millimeter breiten Werkzeugen. Diese sind darauf spezialisiert, Längsholzarbeiten nach erfolgter Formgebung und bei drehender Spindel vom Restholz abzutrennen. Sehr schmale Abstecher, meist als Abstechmesser bezeichnet, weisen eine Stahlbreite von 1,6 Millimeter auf und sind daher sehr materialsparend, können jedoch nur in sehr begrenzte Tiefe vordringen. Ein- oder auch zweiballig angeschliffene Abstechstähle mit 6 Millimetern Breite sind der Standard. Darüber hinaus werden aber auch im Querschnitt rautenförmige Werkzeuge angeboten oder auch Stahlbreiten bis hin zu 10 Millimetern. Gerade die sehr breiten Abstechstähle sind auch sehr gut geeignet, um Zapfen oder Platten an Längsholzarbeiten zu erstellen.

Einsatzbereiche:

  • Längsholz (nur wenige Ausnahmen auch Querholz)
  • Abtrennen und partielles Reduzieren
  • kurze zylindrische Formen wie z. B. Zapfen

Tipps für Einsteiger

Lassen Sie sich nicht zu unnötigen Käufen verleiten!

Gerade die Drechsler im Profibereich kommen zumeist mit einer sehr überschaubaren Anzahl an Standardwerkzeugen aus. Ein neues Werkzeug kann für Einsteiger unter Umständen zu noch mehr Frustration führen, wenn es nicht korrekt eingesetzt wird.

Achten Sie beim Kauf auf Qualität

Bei der Anschaffung der Werkzeuge sollten jedoch auch Einsteiger auf eine möglichst gute Qualität achten und sich bei spezialisierten Drechselbedarfshändlern umsehen. Werkzeuge aus hochwertigen HSS-Stählen sind für Einsteiger und Profis ideal. Die meisten Händler liefern diese auch bereits gebrauchsfertig mit optimierten Anschliffen. Die wesentlich teureren Werkzeuge aus hochlegierten Spezialstählen oder mit besonderen Beschichtungen, zeigen dem unerfahrenen Drechsler jedoch erst einmal keine gravierenden Vorteile.

Holen Sie sich Hilfe

Damit der Einstieg in den sicheren Umgang mit den Werkzeugen einfacher gelingt, kann man jedem Anfänger das Drechseln unter Anleitung bzw. den Besuch eines Drechsel-Grundkurses empfehlen. Bei den renommierten Kursanbietern werden hier genau diese Grundlagen in der Werkzeugführung vermittelt, die man sich selbst nur mühsam aneignen kann. Wichtig sind dabei die ideale Anlage der Schneidenfase, das Verständnis für die Schneidengeometrie und nicht zuletzt auch Hintergrundwissen über Struktur und Beschaffenheit des verwendeten Holzes.

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